Frank Sauer hat Politikwissenschaft,
Soziologie, Philosophie und Rechtswissenschaft an der Goethe-Universität
Frankfurt studiert, wo er auch promovierte. Er habilitierte sich an der
Universität der Bundeswehr München. Im evangelischen Blatt "Chrismon"
darf er in einem Interview mit dem Redakteur Constantin Lummitsch am 17.07.2024
ein wahres Feuerwerk an russophoben und falschen Behauptungen aufstellen. So
behauptet dieser „Experte“ für „Technologie und Sicherheit“ beispielsweise, mit
den zur Aufstellung vorgesehenen Marschflugkörpern Tomahawk könne man Moskau
nicht erreichen (Ängste
vor US-Raketen). Er widerspricht damit auch der gesamten Expertenschar des
Mainstreams. Auf die Frage, wer falsche Ängste schürt, antwortet er: „Das
Bündnis Sahra Wagenknecht und die AfD. Beide sind Desinformationsschleudern.
Dass es zumindest bei der AfD Verstrickungen mit dem Kreml gibt, ist belegt.
Beide wollen den Menschen jetzt aus innenpolitischen Motiven unnötig Angst vor
dem Atomtod einreden." Schon die suggestive Frage nach „falschen Ängsten“ verrät,
welche Antwort von ihm von diesem christlichen Blatt erwartet wird. Tatsächlich
warnen inzwischen eine ganze Reihe friedensorientierter Organisationen (z.B. Naturwissenschaftler
für Frieden) und Medien vor der Aufstellung von Langstreckenwaffen, die
atomar bestückt werden und Moskau erreichen können. Das Wording von „Chrismon“ passt
sehr gut zu einer Stellungnahme der evangelischen Kirchenspitze, die genauso
gut von einer Marionette des US-Imperiums wie Annalena Baerbock hätte
formuliert werden können: „Die Ukrainer wollen in Frieden und Freiheit leben
und solange das nicht möglich ist, brauchen sie unsere Unterstützung, auch im
Moment durch Waffen“ (Waffen
allein), so die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in
Deutschland (EKD), Annette Kurschus, im ZDF-Morgenmagazin am 05.04.2023. Unter
der Überschrift „Gewalt beenden, dem Hass entgegentreten“ äußert sich auch die EKD-Kirchenkonferenz
am 24.03.2022 zum Krieg in der Ukraine im gleichen Ton (Gewalt
beenden): „Wir rufen die russische Führung auf, die Gewalt zu beenden. Wir
sehen mit ohnmächtigen Gefühlen auf den Kriegstreiber und unterstützen die
Bemühungen der Politik, ihm wirksam entgegenzutreten“. Die evangelische Kirche ist
also offiziell auf dem Kriegspfad gegen „den Verrückten in Moskau“, wie Putin
von einem evangelischen Pfarrer in meiner Gegenwart genannt wurde. Für die EKD
ist, ganz in der Lesart des Imperiums, Putin der böse Feind, der den
Ukrainekrieg einfach so losgetreten hat. Die Wahrheit, wie es wirklich zum
Krieg in der Ukraine kam, findet man hier,
hier
und hier.
Doch diese inzwischen sattsam bekannte Vorgeschichte dieses Krieges blendet die
evangelische Kirche aus. Sie ist damit Teil der westlich-imperialen Propagandafront.
„Ihre Antwort auf die Ausgangsfrage ist kurz
und klar: „Nein!“ Einen Frieden mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin
kann es nach Ansicht von Prof. Dr. Irina Scherbakowa nicht geben. Die russische
Friedensnobelpreisträgerin 2022 und Mitbegründerin der russischen
Menschenrechtsorganisation „Memorial“ ging in ihrem Vortrag in der Reihe
„DomGedanken“ am 6. September im münsterischen St.-Paulus-Dom noch einen
Schritt weiter: Wer auf Verhandlungen statt auf militärische Unterstützung
dränge, unterstütze den Angriffskrieg gegen die Ukraine.“ So steht es im Blatt
des katholischen Bistums Münster vom 07.09.2023 (Mit
Putin kein Frieden). Ins gleiche Horn bläst die deutsche Bischofskonferenz
der Katholiken mit ihrer Verurteilung eines päpstlichen Friedensaufrufes: „Äußerungen
von Papst Franziskus zum Krieg in der Ukraine haben auch Vertreter der
katholischen Kirche in Deutschland auf den Plan gerufen. Die Deutsche
Bischofskonferenz bezeichnete die Äußerungen des Papstes als
"unglücklich", nahm ihn aber gleichzeitig gegen den Eindruck in
Schutz, der Ukraine eine Kapitulation nahegelegt zu haben.“ Der Papst hatte es
gewagt, der Ukraine „Mut zur weißen Fahne“ anzuraten. Über beides berichtete
die Tagesschau am 10.03.2024: Papst
zum Ukrainekrieg. Ein Pazifist als Papst? Geht gar nicht. In einer
Pressemitteilung der Deutschen Bischofskonferenz vom 10.03.2022 ist Russland
der alleinige Aggressor: „Immer wieder weisen die Ukrainer darauf hin, dass
sich ihr Land bereits seit 2014 im Krieg befinde. Tatsächlich hat die Russische
Föderation damals mit der Annexion der Krim und den sogenannten „hybriden“
Kriegshandlungen in den ostukrainischen Gebieten um Luhansk und Donezk den
Frieden gebrochen“ (Ukraine-Erklärung).
Nur in diesen zwei zitierten Sätzen finden sich drei kapitale Lügen, die von
der ukrainischen Regierung und von der westlich-imperialen Propagandafront ständig
verbreitet werden; denn die Eingliederung der Krim nach Russland hat eine Volksabstimmung
der Krimbevölkerung beschlossen, zwischen 2014 und 2022 gab es einen Bürgerkrieg,
der von der ukrainischen Regierung gegen die abtrünnigen Oblasten Luhansk und
Donezk geführt wurde, aber keinen Krieg mit Russland. Auch die katholische
Kirche Deutschlands ist also Teil dieser Propagandafront und auf dem
Kriegspfad.
Man kann unterschiedlicher Meinung über die
Ursachen des Krieges in der Ukraine sein. Aber ist es mit der christlichen
Lehre vereinbar, statt Frieden Krieg zu predigen? Statt die USA, NATO und die
Ukraine aufzufordern, die vom westlichen Imperium abgebrochenen Verhandlungen
wieder aufzunehmen, die Kapitulation des „bösen Feindes“ Russland zu fordern? Obwohl
dieser Krieg für das Imperium auch nach Meinung vieler Kriegsexperten des
westlichen Mainstreams bereits verloren ist und nur immer noch mehr Menschen perspektivlos
umbringt? Sind die christlichen Kirchen zu Organisationen pervertiert, die
nicht Frieden, sondern Massenmord fordern und predigen? Nach ihrem
indifferenten Verhalten zum israelischen Morden in Gaza zu urteilen, akzeptieren
sie sogar Völkermord, wenn er von den „Guten“, also vom Westen begangen wird.
Sie sind die nihilistischen Kirchen des westlichen Imperiums der Apokalypse.
Das sind sie schon, seit das Christentum im alten Rom zur Staatsreligion
geworden ist (Zur
Hölle mit dem Abendland).